Entscheidungsprozess

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Die Qualität von Entscheidungen hängt ganz wesentlich davon ab, wie diese zustande gekommen sind. Besonders gilt das für so persönliche Zukunftsentscheidungen wie die Bildungs- und Berufswahl.

Wie kommt man zu richtigen Entscheidungen?

Solche Entscheidungen sollte man gründlich vorbereiten. Und das braucht Zeit. Es ist daher wichtig, rechtzeitig damit zu beginnen und sich auf den Weg zu machen: Sich auf einen Prozess einzulassen, so wie er im Folgenden dargestellt ist.

Ein guter Entscheidungsprozess durchläuft folgende Schritte:

1. Klarheit über eigene Ziele und Werte gewinnen
2. Ideen entwickeln
3. Informationen sammeln
4. Die Alternativen bewerten, Konsequenzen abschätzen
5. Entscheidung treffen
6. Entscheidung umsetzen

Weitere Tipps, Hilfen und Hinweise findet man unter Broschüren, Adressen und LINKS 

1. Klarheit über eigene Ziele und Werte gewinnen

Bildungs- und Berufsentscheidungen sind Lebensentscheidungen. Sie haben daher auch viel damit zu tun, was einem ganz allgemein im Leben wichtig ist.

Stellt euch gemeinsam mit euren Eltern daher folgende Fragen - ohne dabei gleich an bestimmte Ausbildungen oder Berufe zu denken:

  • Wohin will ich? (Zu welchem Ziel soll mich Schule führen?)
    z.B. einen Beruf erlernen, Matura machen…
  • Was will ich lernen? (Welche Fähigkeiten möchte ich erwerben?)
    z.B. mein Wissen erweitern – allgemein oder in den Bereichen, für die ich mich besonders interessiere, bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbauen…
  • Worauf kommt es mir dabei noch an? (Während der Ausbildung und danach)
    z.B. ich brauche schon auch Zeit für meine Hobbys, ich möchte keinen allzu weiten Weg in die Schule, ich würde auch in ein Internat gehen; ich möchte nicht in einem Büro arbeiten, ich möchte viel mit Menschen zu tun haben, ich möchte durchaus gefordert werden…

Wichtig sind weiters die Überlegungen:

  • Was sagt meine Familie dazu? (Klärung der unterschiedlichen Wünsche und Erwartungen, Trennungsprobleme)
  • Wie wird es mir am Lernort gehen? (Schul-, Wohn- bzw. Arbeitsklima in der zukünftigen Ausbildungsstätte).

Beispiele:
Ich möchte die Matura machen.
Ich interessiere mich für Chemie und möchte möglichst viel darüber lernen.
Ich möchte meine künstlerisch-zeichnerischen Begabungen weiterentwickeln.
Ich möchte in den nächsten Jahren nicht von zu Hause weg.

Was ist euer wichtigstes, zweitwichtigstes, drittwichtigstes... Ziel?
Versucht, eure Ziele der Wichtigkeit nach zu ordnen.

Wer oder was hilft bei diesem Schritt?

F Gespräche mit Eltern, Freunden, Bekannten;

F der Berufsorientierungsunterricht in der Schule;

F Gespräche mit der Schülerberaterin bzw. dem Schülerberater an der Schule;

2. Ideen entwickeln

Mit all dem, was ihr vorher überlegt habt, könnt ihr nun die konkrete Frage stellen:

Welche Schulen, Ausbildungen und Berufe passen zu mir?

Denkt nicht nur an die Möglichkeiten, an die ihr oder eure Eltern schon immer gedacht habt, sondern versucht, neue Ideen zu entwickeln.

Nehmt euch selbst dabei ernst und alle eure Wünsche und Ideen.

Wer oder was hilft bei diesem Schritt?

F     Gespräche mit Eltern, Freunden, Bekannten

F     Gespräche mit der Schülerberaterin bzw. dem Schülerberater an der Schule

F     Informationsbroschüren, Computerprogramme

F     Informationszentren, Beratungsinstitutionen

Beispiel:
Ich interessiere mich für Computer. Ich wollte bisher nur eine Höhere Lehranstalt für EDV und Organisation besuchen. Ich könnte aber auch die HAK mit der Fachrichtung Informationsmanagement und Informationstechnologie wählen oder eine Lehre im Lehrberuf IT-Kaufmann machen. Oder ich gehe in eine AHS-Oberstufe mit viel Informatik (z.B. Oberstufenrealgymnasium mit besonderer Berücksichtigung der Informatik).

3. Informationen sammeln

Was soll ich wählen? Um zwischen mehreren Alternativen entscheiden zu können, ist es notwendig, gezielt Informationen zu sammeln:

WAS muss ich noch wissen? (z.B. Kurzinformation, ausführliche Beschreibung, Adressen, Möglichkeiten, weitere Informationsquellen, Beratungsmöglichkeiten)

WO finde ich die benötigte Information bzw.

WER kann mir weiterhelfen?

Durch Broschüren erhält man in der Regel einen guten allgemeinen Überblick. Sie sind daher gut für eine Erstinformation geeignet (wie z.B. der „Bildungswegweiser Österreich“)

Das Internet ist die beste Quelle für gezielte Informationsrecherchen: Wenn man et­was Übung hat, findet man praktisch jede Bildungsinformation (z.B. mit Hilfe des Internetguides der Schulpsychologie-Bildungsberatung).

In einem persönlichen Gespräch erhält man individuelle Anregungen. Der Gesprächs­partner sollte offen und erfahren sein.

Wer oder was hilft bei diesem Schritt?

F Gespräche mit Bekannten, die die Ausbildung bereits gemacht oder Erfahrung in diesem Berufsfeld haben.

F Die Schülerberaterin bzw. den Schülerberater an der Schule nach Informationsmöglich­keiten fragen.

F Einschlägige Broschüren (z.B. des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur oder des Arbeitsmarktservices).

F Im Internet surfen (die Schulpsychologie-Bildungsberatung hat dafür unter der Adresse http://www.schulpsychologie.at/intguide.htm einen „Internetguide“ eingerichtet)

F Informationsveranstaltungen nutzen (z.B. „Tage der offenen Tür“, Bildungsmessen)

Beispiele:
Beim Tag der offenen Tür erhält man einen guten Einblick, wie der Werkstättenunterricht in einer HTL vor sich geht
Die Schulhomepage informiert über Anmeldemodus und die Stundentafel.
Einen Überblick über die Ausbildungsmöglichkeiten in Gesundheitsberufen findet man auf der Homepage des Gesundheitsministeriums.
Mit Hilfe des Internetguides findet man, welche berufsbildenden Schulen für den Beruf des Tontechnikers vorbereiten.

4. Die Alternativen bewerten, Konsequenzen abschätzen

Die gesammelten Informationen müssen persönlich bewertet werden: Welche Folgen hat die Wahl einer bestimmten Ausbildung, welche Möglichkeiten, aber auch welche Anfor­derungen und Schwierigkeiten?

Wer oder was hilft bei diesem Schritt?

F Gespräche mit Eltern, Freunden, guten Bekannten.

F Gespräche mit anderen Personen des Vertrauens, z.B. auch der Schülerberaterin bzw. dem Schülerberater an der Schule.

F Professionelle Beratungsinstitutionen wie z.B. die Schulpsychologie-Bildungsberatung.

Beispiele:
Fällt es mir leicht oder schwer, dass in einer HTL für Bautechnik größte Genauigkeit beim technischen Zeichnen verlangt wird?
Schaffe ich die Belastung von täglich drei Stunden Weg zur ausgewählten Schule?

5. Entscheidung treffen

Wer alle bisherigen Schritte getan hat, kommt sicher zur richtigen Entscheidung.

Nicht nur die „facts“ sind wichtig, sondern auch eure Gefühle: Entscheidungen werden oft in hohem Ausmaß von uns nicht direkt bewussten Abwägungs- und Informationsverarbeitungsprozessen beeinflusst. Gerade bei großen Entscheidungen müssen wir uns Zeit dafür geben und die uns als „Intuition“ oder „Bauchgefühl“ bekannten Hinweise aus uns selbst wichtig nehmen.

Wer oder was hilft bei diesem Schritt?

Helfen können viele, aber die Entscheidung muss von euch selbst getroffen werden – gemeinsam mit den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten.

6. Entscheidung umsetzen

Nachdenken ist gut, aber: Es gibt nichts Gutes – außer man tut es!

Wer oder was hilft bei diesem Schritt?

Jeder in der Familie kann mithelfen, dass die getroffene Entscheidung umgesetzt wird. Die Eltern werden ihr Kind hoffentlich auch dann voll unterstützen, wenn es schließlich eine andere als die ursprünglich gewählte Schule besucht.