10 Jahre Strategie zur schulischen Gewaltprävention

Rückblick und Analysen im internationalen Vergleich

Das Phänomen Gewalt und Mobbing betrifft alle Mitgliedstaaten der EU. Mobbing verstößt gegen unsere gemeinsamen Werte der Freiheit, Toleranz und Nichtdiskriminierung. Die Folgen sind schwerwiegend und langfristig. Seelische und körperliche Gesundheit von Opfern als auch TäterInnen sind gefährdet. Gewalterleben innerhalb der Schule steht auch im Zusammenhang mit frühzeitigem Schulabbruch. (Early school leaving – Drop Out). (vgl. European Commission (2013) Reducing early school leaving: Key messages and policy support. Final report of the thematic working group on early school leaving.)

Die nationalen Bemühungen der gemeinsamen Strategie gegen Gewalt zeigen  Erfolg. Die Anzahl der Bullying-Wiederholungs-TäterInnen ist von 2002 bis 2014 von 17,7% auf 13,2% gesunken, die Zahl der Bullying-Opfer ist nach wie vor hoch. Österreich liegt im internationalen Vergleich auf Rang fünf bei der Zahl der 13Jährigen Bullying-TäterInnen, sowie auf Rang vier bei der Zahl der Bullying Opfer. Es besteht nach wie vor Handlungsbedarf. (vgl.Health behaviour in school-aged Children (HBSC) - International Report from survey 2013/2014).                                                                   

Kinder und Jugendliche aus Migrationsfamilien, mit anderen ethnischen Zugehörigkeiten, mit Problemen sich sozial zu inkludieren bzw. Anschluss zu finden oder mit anderer sexueller Orientierung  bedürfen besonderer Unterstützung im Zusammenhang mit Mobbing und Gewalt. Resultiert aus schulischem Gewalterleben frühzeitiger Schulabbruch so vermindert dies spätere Lebens- und Berufschancen und trägt langfristig dazu bei, dass persönliche Risiken wie Gesundheitsgefährdung, soziale Ausgrenzung oder Arbeitslosigkeit über die Lebensspanne hinweg hoch sind. Dies sollte bei der Weiterentwicklung der Nationalen Strategie zur schulischen Gewaltprävention berücksichtigt werden. (Downes P.; Cefai, C.: How to Prevent and Tackle Bullying and School Violence: Evidence and Practices for Strategies for Inclusive and Safe Schools, NESET II report, Luxembourg: Publications Office of the European Union,2016).                                                   

Lehrpläne welche die soziale und emotionale Bildung berücksichtigen, spielen eine Schlüsselrolle für die persönliche Entwicklung und tragen dazu bei, eine Kultur der Gewalt an Schulen zu verhindern. Ausreichend Unterrichtszeit für soziale und emotionale Bildung in allen europäischen Schulen ist ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Prävention von Mobbing und Gewalt an Schulen.“(Downes P.; Cefai, C.: How to Prevent and Tackle Bullying and School Violence: Evidence and Practices for Strategies for Inclusive and Safe Schools, NESET II report, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2016).                                                                                                            

Die Schule nimmt Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit von SchülerInnen. Nachhaltige Präventionsarbeit beinhaltet Aufklärung, Angebot und Durchführung von Fortbildungen sowie Aufmerksamkeit aller Beteiligten statt Ignoranz und Reaktion. Es bedarf Maßnahmen bei Mobbingvorfällen. Es braucht eine umfassende Schul-                 strategie:                                                           

Als Ergebnis der Analysen der bisherigen Arbeit wurden im Rahmen des Vernetzungstreffens 2017 nebem einem umfassenden Handlungsleitfaden eine Charta verabschiedet. Diese verbalisiert handlungsleitende Grundsätze einer wirkungsvollen und nachhaltigen Präventionsarbeit:

  1. Null Toleranz gegen Gewalt leben
    Wir schaffen eine gemeinsame Schulkultur der Gleichstellung, in der Gewalt keinen Platz hat. Eine klare Haltung, Verlässlichkeit, Sicherheit, sowie respektvoller Umgang miteinander sind für uns wichtig. JedeR leistet seinen Beitrag dazu, denn Mobbing hat negative Folgen für alle Beteiligten!
  2. Vielfalt anerkennen / Kultur der Achtsamkeit
    Vielfalt als Chance und Bereicherung ist uns wichtig und auch im Schulleitbild verankert. Wir als Schulgemeinschaft positionieren uns klar. Wir stehen für Toleranz und Offenheit gegenüber dem ´Anders Sein´ und für ein Recht des Einzelnen gehört zu werden.
  3. Diskriminierungen benennen und ablehnen
    Es ist uns wichtig, diskriminierende Sprache und Handlungen immer und immer wieder als solche zu benennen und konsequent eine wertschätzende Haltung gegenüber Vielfalt einzunehmen, sowie diese vorzuleben.
  4. Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz der PädagogInnen stärken
    Wir arbeiten gemeinsam konsequent an unserer pädagogischen Professionalisierung. Schulinterne Fortbildungen zu Themen wie beispielsweise Qualitätsentwicklung, Teambildung, Wissen über verschiedenen Formen von Gewalt, Toleranz gegenüber individueller Identität und persönlichen Lebensentwürfen, Umgang mit digitalen Medien und der Auseinandersetzung mit Kommunikation und Sprache unterstützen uns dabei.
  5. Miteinander Reden
    Die Kooperation mit allen innerhalb des schulischen Systems aktiven Personen, den SchülerInnen, den Schulpartnern und den schulischen und außerschulischen Unterstützungssystemen, bei der Planung und Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen zur Gewaltprävention und Gesundheitsförderung ist uns wichtig. Handlungsräume sollen aktiv gestaltet werden. Partizipation aller Beteiligten ermöglicht es eine Schulkultur ohne Gewalt zu leben

Bisherige Ergebnisse finden sie hier:

Generalstrategie (2007)

QUICKINFOS:

Selbstevaluationsinstrumente für Schulen

Informationen zum Thema Cybermobbing: hier