Arbeitsgruppe Prognoseverfahren
der Schulpsychologie-Bildungsberatung
Ergebnisbericht
Erste Sitzung: 10./11. September 2001
Zweite Sitzung: 9./10. Oktober 2001
Teilnehmer/innen:
| Leitung: Dr. Krötzl (BMBWK) |
Dr. Istok(Oberösterreich) |
| Dr. Aigner (BMBWK) |
Dr. Mateja (Oberösterreich) |
| Dr. Kampfer (Kärnten) |
DDr. Richter (Niederösterreich) |
| Dr. Kobilza (Wien) |
Univ.Prof. Dr. Gittler (Univ. Wien) am 9.10. |
| Dr. Zollneritsch (Steiermark) |
Dr. Arendasy (Univ. Wien) am 9.10. |
TEIL I - GRUNDLAGEN
In der ersten Sitzung wurden ausgehend von allgemeinen Überlegungen zum Erstellen von
Prognosen wurden bezogen auf die Fragestellung "Prognoseverfahren zur
Unterstützung der Bildungsentscheidung am Ende der Volksschule" folgende Ergebnisse
erzielt:
Grundlegende Sichtweisen
Beim Herangehen an die Fragestellung sind folgende grundlegende Sichtweisen zu
unterscheiden:
- Aus bildungspolitischer Sicht geht es z.B. um die Qualität des Schulsystems, der
Vergleichbarkeit gleicher Schulformen an unterschiedlichen Standorten und der
global gesehen richtigen Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die
verschiedenen Bildungsangebote. Allfällige Maßnahmen zielen darauf ab, Einfluss auf das
Gesamtsystem und damit alle Betroffenen (Schüler, Lehrer, Eltern...) zu nehmen.
- Aus wissenschaftlicher Sicht geht es um die Frage, mit welchen Verfahren welche
Vorhersagen mit welcher Wahrscheinlichkeit gemacht werden können bzw. um die Entwicklung
solcher Verfahren. Im Mittelpunkt stehen damit allgemeine Aussagen über Schülerinnen und
Schüler.
- Aus der individuellen Sicht der betroffenen Kinder und deren Eltern geht es
hingegen um das Treffen der bestmöglichen Entscheidung im Einzelfall.
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Es ist wichtig, bei den Überlegungen zur Fragestellung diese unterschiedlichen
Sichtweisen einzubeziehen, aber auch bewusst zu unterscheiden.
Vorgangsweise der Arbeitsgruppe
- Analyse der Charakteristika von Prognosen allgemein
- Möglichkeiten und Grenzen
- Notwendige (Rahmen-)Bedingungen
- Grundsätzliche Methoden
- Qualitätskriterien
1a. Anwendung der Ergebnisse aus Pkt. 1 auf die Fragestellung "Prognose des
Schulerfolges bzw. Schulmisserfolges in der Sekundarschule"
- Erarbeitung von Vorschlägen für Durchführungsmöglichkeiten auf Basis der
Ergebnisse aus Pkt. 1a.
- Schulpsychologische Bewertung der Vorschläge aus Pkt. 2,
schulpsychologische Empfehlungen
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Bei der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe wurden die Punkte 1 und 1a behandelt, wobei
sich daraus auch schon konkrete Vorschläge abgeleitet wurden.
Weiters wurde geplant, auf ein Angebot zur Mitarbeit des Institutes für Psychologie
der Universität Wien (Univ.Prof. Dr. Gittler) zurückzugreifen.
Charakteristika von Prognosen
Grenzen von Prognosemöglichkeiten - allgemein:
- Prognosen sind prinzipiell Wahrscheinlichkeitsaussagen. Die Erstellung einer Prognose
für einen Einzelfall ist daher immer mit einer Fehlermöglichkeit behaftet.
- Ohne genaue Kriteriumsdefinition (der Festlegung, was genau prognostiziert werden soll)
ist eine Prognose nicht möglich.
- Je komplexer ein Kriterium ist, desto schwieriger wird die Prognose.
- Je mehr Wirkungsfaktoren einen Einfluss haben, desto unsicherer wird die Prognose.
- Je mehr Wirkungsfaktoren beteiligt sind, umso höher wird auch der Erhebungsaufwand, die
Verarbeitungsmenge und die Mess- bzw. Beobachtungsfehler summieren sich.
- Je länger die Zeitdauer zwischen Prognoseerstellung und erwartetem Ereignis ist, desto
unsicherer wird die Prognose.
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Möglichkeiten für Prognosen:
Aus den beschriebenen Prognosegrenzen lassen sich durch umgekehrte Anwendung auch
folgende Faktoren als Voraussetzung für prinzipiell gute Prognosemöglichkeiten ableiten:
- Das Kriterium lässt sich genau definieren
- Die wesentlichen Wirkungsfaktoren sind bekannt und nicht zu zahlreich
- Diese Wirkungsfaktoren lassen sich genau und zuverlässig messen bzw. beobachten
- Die Zeitdauer zwischen Prognoseerstellung und vorauszusagendem Ereignis ist kurz.
Bezogen auf die Fragestellung bedeutet dies:
Kriteriumsdefinition
Was soll im Vorfeld von Schullaufbahnentscheidungen in der 4.Schulstufe prognostiziert
werden?
Woran kann man nachher erkennen, dass die Entscheidung richtig oder falsch war?
- Pädagogische (formale) Kriterien, z.B.:
- 5. bzw. 6.Schulstufe in der gewählten Schulart positiv absolviert
- 8. Schulstufe in der gewählten Schulart positiv absolviert
- Matura abgelegt
Derartige formale Kriterien reichen aber nicht aus, weil sie keine Auskunft geben über
mögliche damit verbundene negativen Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung und
Gesundheit des Kindes. Daher sollten auch psychologische Kriterien miteinbezogen werden.
- Psychologische Kriterien, z.B.:
- ohne übermäßigen (gesundheits- bzw. persönlichkeitsschädigenden) Stress
- ohne dauernde Hilfestellung (z.B. Nachhilfe, intensive Betreuung durch Eltern)
- mit Erhalt einer positiven Einstellung zum Lernen (Motivation für weiteren Schulbesuch)
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Wirkungsfaktoren (Prädiktoren)
Ausgangspunkt für Prognose für den weiteren Bildungsweg eines Schülers sind neben
den aktuellen Schulnoten in der Person des Schülers liegende Eigenschaften sowie
Charakteristika seiner Interaktionen bzw. Beziehungen zu seinen Eltern, Mitschülern,
Lehrpersonen und im schulischen Kontext vermittelten Bildungsinhalten
("Lernstoff").
Zur Beobachtung bzw. Messung dieser Wirkungsfaktoren/Charakteristika/Eigenschaften
können beitragen:
E Eltern
L Lehrer
S Schüler selbst
? Psychologe bzw. psycholog. Test
| Eigenschaften des Schülers |
(am besten beobachtbar von/durch ) |
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|
(L)? |
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|
E,L,(?) |
|
|
E |
|
|
E,L |
|
|
L |
| Charakteristika der Schüler-Eltern-Beziehung bzw. des Einflusses
der Eltern |
(am besten beobachtbar von/durch ) |
- Elterliche Ansprüche an das Kind
|
E |
|
|
E |
- Sozialer Status der Familie
|
E |
- Charakteristika der Beziehung des Schülers zu Lehrern im allgemeinen
|
(am besten beobachtbar von/durch) |
|
|
(L,E) |
- Abhängigkeit/Unabhängigkeit von bestimmten didaktischen Konzepten
|
(L,E) |
| Aufgrund der vielfach fehlenden Vergleichsmöglichkeiten ist
dieser Faktor meist nur unzureichend erhebbar. |
| Charakteristika der Beziehung des Schülers zu Mitschülern |
(am besten beobachtbar von/durch) |
Soziale Position, Eingliederungsfähigkeit, soziale Flexibilität
(Frustrationstoleranz gegenüber wechselnden sozialen Positionen)
|
S
(L,E)
|
| Darüber kann am besten nur der Schüler selbst Auskunft geben
(evtl. mit Hilfe eines Fragebogens bzw. strukturierten Gesprächs) |
| Charakteristika des Umgangs des Schülers mit verschiedenen
Lerninhalten, Lehr- und Lernmethoden sowie Lernbedingungen |
(am besten beobachtbar von/durch) |
- Umfang und Komplexität des Lernstoffes
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L,(E) |
|
|
L,(E) |
|
|
L,(E) |
Aus dieser Übersicht der nach schulpsychologischer Erfahrung wesentlichsten
Wirkungsfaktoren und deren Mess- bzw. Beobachtbarkeit geht hervor dass,
- den Eltern eine entscheidende Rolle zur Erhebung der Prognosevoraussetzungen zukommt,
- und die Entscheidungsgrundlagen optimalerweise gemeinsam von Eltern und Lehrern
erarbeitet werden sollten.
- Eine gezielte Befragung des Kindes kann - wie in manchen Fällen auch der Einsatz von
psychologischen Instrumentarien zusätzliche Anhaltspunkte liefern.
- Sollte der Klassenlehrer unsicher in Bezug auf den schulischen Leistungsstand sein
(siehe z.B. Eigenschaften des Schülers à
Leistungsentwicklung, Notengebung), kann auch die Einbeziehung der Ergebnisse eines
Schulleistungstestes sinnvoll sein.
Notwendige (Rahmen-)Bedingungen für Prognosen
Eine Prognose kann nur dann sinnvoll erstellt werden, wenn man sich auf ein Modell der
Wirkungszusammenhänge beziehen kann, dass voraussichtlich über den Prognosezeitraum
stabil bleibt. Das bedeutet z.B., dass
- sich die Modellstruktur an sich nicht ändern darf,
- keine wesentlichen Wirkungsfaktoren existieren, die zum Prognosezeitraum prinzipiell
nicht erhoben werden können
- und die Prognoseerstellung keinen Einfluss auf das Ergebnis haben sollte.
Diese (im Sinne der Prognoserichtigkeit) idealtypischen Bedingungen sind beim Fall der
Schullaufbahnprognose natürlich nicht erfüllt, in einigen Fällen ja auch nicht
wünschenswert. So ist es ja als sehr positiv zu sehen, wenn z.B. die Mitteilung einer
positiven Einschätzung der weiteren Schullaufbahn zusätzliche positive, ermutigende
Effekte mit sich bringt.
Folgende für die Fragestellung relevante Punkte lassen sich aber aus den allgemeinen
Überlegungen ableiten:
- Eine allgemeine stabile Modellstruktur kann aufgrund großer regionaler Unterschiede
(z.B. aufgrund der Schulautonomie und der unterschiedlichen Dichte der Angebote und der
damit verbundenen notwendigerweise unterschiedlichen Kriteriumsdefinitionen) nicht
angenommen werden.
Bei der Prognose ist daher jeweils ein eigenes regionales oft sogar ein
individuelles Prognosemodell zu entwickeln.
- Einige für die Voraussage des Kriteriums wichtige Wirkungsfaktoren können oft zum
Zeitpunkt der Prognoseerstellung nicht erhoben werden, z.B.:
- Unterrichtsstil der Lehrer in der Abnehmerschule,
- familiäre Veränderungen,
- Veränderungen im schulischen Raumangebot,
- allgemeine strukturverändernde Maßnahmen im Schulsystem.
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Psychologische Faktoren, die bewirken können, dass die Prognose selbst
Einfluss auf die weitere Entwicklung nimmt:
- veränderte Erwartungshaltung der Eltern bzw. des Kindes
- grundsätzliche Einstellung zu Prognosen
- Reaktanzphänomene (Reaktionen auf den Inhalt der Prognose mit dem Ziel der Erlangung
eines kognitiven Gleichgewichtes)
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Grundlegende Methoden
Voraussetzung für jede Prognose ist die Erstellung eines Wirkungsmodells, dass auf
einer umfassenden Datenerhebung basiert. Dabei ist es notwendig, dass vor der Erhebung
schon eine Modellvorstellung davon existiert, welche Art von Daten zur Voraussage des
Kriteriums relevant sein könnten. Die Voraussage selbst kann sich auf eine punktuelle
Erhebung beziehen oder prozessorientiert sein. Auch ein Mehrstufenmodell (z.B. abgestuftes
Verfahren, Screening) ist in manchen Fällen denkbar.
Zu unterscheiden ist die Modellentwicklung auch bei statistischen und individuellen
Prognosen. Individuelle Prognosen verlangen jedenfalls einen Rückgriff auf individuelle
Daten. Dies schließt auch unter Umständen eine individuelle Kriteriumsdefinition mit
ein, sodass bei individuellen Prognosen häufig von einem eigenen individuellen
Vorhersagemodell ausgegangen werden muss.
Dies trifft auch im Fall der Schullaufbahnprognose in der 4.Schulstufe zu.
Qualitätskriterien für Prognosen
| Das wichtigste Qualitätskriterium für eine Prognose ist natürlich die
Richtigkeit. Das setzt aber voraus, dass es eine Möglichkeit zur Überprüfung gibt. Um
aber den Zusammenhang zwischen Prognose und Eintritt des Ergeignisses überprüfen zu
können ist es notwendig, auf beiden Seiten mit klaren Aussagen operieren zu können, die
jeweils für sich genommen den Qualitätskriterien für Beobachtungen bzw. Messungen
entsprechen. Sowohl für die Erfassung der Wirkungsfaktoren (Prädiktoren) als auch des
Eintrittes des Ereignisses (Kriterium, wie z.B. Schulerfolg) sind daher die bekannten
Gütekriterien für Messungen anzulegen (Reliabilität, Validität, Objektivität...). |

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Im Falle der Schulerfolgsprognose besteht die Schwierigkeit, dass falsche Prognosen nur
dann erkannt werden können, wenn
- die tatsächliche Entscheidung nach der prognostischen Empfehlung erfolgt ist und sich
später herausgestellt hat, dass das vorhergesagte Ereignis (z.B. Schulerfolg) nicht
eingetreten ist (z.B. Empfehlung für AHS, später aber Überforderung),
- oder die Entscheidung nicht der Empfehlung gefolgt ist und sich später aber
entgegen der Prognose - als richtig erwiesen hat (z.B. Empfehlung gegen AHS, Entscheidung
dann aber doch dafür, später gute Bewährung in AHS).
Falsche Prognosen können nicht erkannt werden, wenn
- die tatsächliche Entscheidung nach der prognostischen Empfehlung erfolgt ist, später
aber keine Möglichkeit mehr bestanden hat zu überprüfen, ob nicht die andere
Entscheidung doch besser gewesen wäre, was "in Wirklichkeit" tatsächlich der
Fall gewesen wäre (z.B. Empfehlung für HS, Besuch der HS, weitgehend unauffälliger
Verlauf mit latenter Unzufriedenheit, AHS wäre in Wirklichkeit auch gut möglich gewesen
mit besserer Befindlichkeit),
- oder die Entscheidung nicht der Empfehlung gefolgt ist und sich später herausstellt,
dass die Entscheidung zu negativen Konsequenzen geführt hat, aber nicht beurteilt werden
kann, ob dies nicht auch vielleicht noch in stärkerem Ausmaß bei einer mit
der Empfehlung konformen Entscheidung der Fall gewesen wäre, was tatsächlich zutrifft
(z.B. Empfehlung für HS, Besuch der AHS, später starker Motivationsverlust aufgrund
sozialer Schwierigkeiten in Klasse; in der HS wäre dies aber in noch stärkerem Ausmaß
der Fall gewesen).
Im Zusammenhang mit der Frage nach der Bewertung der Qualität einer
Schulerfolgsprognose erscheint es der Arbeitsgruppe notwendig, dass die tatsächliche
Entscheidung in hohem Ausmaß von den Eltern (mit-)getragen wird: Die spätere Richtigkeit
kann oft nicht wirklich überprüft werden und bei Unzufriedenheit mit einer Entscheidung
"gegen den eigenen Willen" ist bei späteren auch vergleichsweise kleinen
negativen Konsequenzen damit zu rechnen, dass diese einer verfehlten Prognose
zugeschrieben werden, wodurch auch ein gutes Prognoseverfahren in der Öffentlichkeit
ziemlich rasch entwertet und scharfer Kritik ausgesetzt werden würde.
TEIL II - REALISIERUNG
Aufbauend auf die Ergebnisse der ersten Arbeitsgruppensitzung wurden in der zweiten
Sitzung Möglichkeiten der Umsetzung von Hilfestellungen zur Optimierung von
Bildungsentscheidungen am Ende der Volksschule erörtert und ein entsprechendes
Maßnahmenpaket entwickelt.
Grundsätzliche Annahmen und Zielsetzungen
- Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen alle auf eine Unterstützung der individuellen
Bildungsentscheidungen ab.
- Das Schwergewicht liegt also bei der "individuellen Sichtweise". Die
bildungspolitische und wissenschaftliche Sichtweise wird dabei aber mitgedacht.
- Da die individuelle Entscheidungssituation im Mittelpunkt steht, richtet sich die Initiative
(neben den Schüler(innen)n selbst) vor allem an:
- Eltern
bzw. Erziehungsberechtigte
- Klassenlehrer(innen)
der 4. Schulstufe
- Leiter(innen)
von Volksschulen
- Schulaufsichtsbeamte
für den Pflichtschulbereich
Dabei kommt jeder Gruppe eine genau zu definierende Rolle zu.
- Es wird davon ausgegangen, dass die Bildungsentscheidung in erster Linie von den
Eltern bzw. Erziehungsberechtigten (unter Einbeziehung des Kindes) zu treffen
ist.
- Die/Der Klassenlehrer(in) fungiert dabei als Berater(in). Sie vergibt
über die Notengebung aber auch Berechtigungen, die dazu führen können, dass manche
Alternativen entweder nicht oder nur erschwert (z.B. über eine Aufnahmeprüfung) zur
Verfügung stehen.
- Die/Der Schulleiter/in ist für die grundsätzliche, objektive Information der
Eltern bzw. Erziehungsberechtigten über die Bildungsmöglichkeiten nach der
Volksschule verantwortlich. Er hat seine Mitarbeiter/innen (Lehrer/innen) aber auch
hinsichtlich der durchzuführenden Beratungsgespräche mit den Eltern zu unterstützen
und für die dafür notwendigen zeitlichen Abläufe zu sorgen.
- Die zuständigen Schulaufsichtsbeamten unterstützen die Schulen ihres
Verantwortungsbereiches bei der Erfüllung dieser Aufgaben und der Umsetzung der
vorgeschlagenen Maßnahmen. Sie stellen wichtige regionale Informationen zur Verfügung
und tragen (in Kooperation mit der Schulpsychologie-Bildungsberatung und dem
Pädagogischen Institut) zur entsprechenden Qualifizierung der Schulleiter/innen bei.
- Bei der grundsätzliche Zielsetzung "Verbesserung der individuellen
Bildungsentscheidung" wird davon ausgegangen, dass die Voraussetzung für das Treffen
einer guten Entscheidung die Qualität des Entscheidungsprozeses ist. Dass sich also alle
Maßnahmen auf die Unterstützung des Entscheidungsprozesses richten und dies
auch allen Beteiligten vermittelt werden muss.
Ausgangs- und Bezugspunkt der Maßnahmen:
Der Entscheidungsprozess
(aus der Sicht der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten)
- Ziele und Werte
z.B. Was ist für die Zukunft meines Kindes wichtig? Welche Begabungen,
Fähigkeiten, Interessen hat mein Kind? Welche möchte es weiterentwickeln?
- Alternativen überlegen
z.B. Welche Schulen kommen grundsätzlich in Betracht?
- Informationen zu den Alternativen sammeln
z.B. Welches Bildungsangebot gibt es an den in Betracht kommenden Schulen? Worin
unterscheiden sie sich (hinsichtlich Schwerpunkten, Anforderungen, Schulweg,
Unterrichtszeiten u.s.w.)?
- Konsequenzen der Alternativen überlegen, Informationen bewerten
z.B. Welche Konsequenzen würden sich für mein Kind bei der Wahl der einzelnen
Alternativen ergeben? Wie sind die gesammelten Informationen über eine bestimmte Schule
aus unserer Sicht (bezogen auf mein Kind zu bewerten)?
- Entscheidung treffen
Die Eltern/Erziehungsberechtigten entscheiden (unter Einbeziehung ihrer Kinder),
für welche der zur Verfügung stehenden Alternativen sie sich entscheiden (an welcher
Schule sie ihr Kind anmelden).
- Ausführung
Die Qualität einer Entscheidung wird wesentlich dadurch bestimmt, dass sie auch
umgesetzt wird. Das bedeutet, dass sich die Aufmerksamkeit ganz auf die gewählte
Alternative und nicht mehr auf die "verlorenen" richten sollte.
Maßnahmenpaket
- Erstellung einer Handreichung für Eltern:
Ziele:
- Sensibilisierung für den Prozesscharakter der Entscheidung
- Grundlegende Informationen zum Übergang und den Anforderungen in Sekundarschulen
- Information über die Möglichkeiten der kontinuierlichen Entscheidungsanpassung
die Durchlässigkeit des österreichischen Bildungssystems
- Vorbereitung auf das Beratungsgespräch mit der Klassenlehrerin / dem Klassenlehrer
- Beobachtungsbögen bzw. Checklisten zur Wahrnehmung von Eigenschaften/Entwicklungsstand
des Kindes
- Erstellung einer Handreichung für Volksschullehrer(innen):
Ziele:
- Sensibilisierung für den Prozesscharakter der Entscheidung
- Sensibilisierung für die klare Rollenteilung Eltern-Lehrer(in)-Schulleiter(in)
- Informationen zu Standards in der vierten und fünften Schulstufe (beispielhafte
Aufgabensammlungen mit beispielhafter Bewertung)
- Vorbereitung auf das Beratungsgespräch mit den Eltern (evtl. strukturierter Leitfaden)
- Beobachtungsbogen zur besseren Einschätzung und Reflexion des Verhaltens /
Entwicklungsstandes der Schüler
- Hinweis auf Möglichkeiten der standardisierten Erfassung von Schulleistungen bzw.
Leistungspotentialen (der Schulleistungstest SD 3-4 wird zu diesem Zweck gerade
aktualisiert)
- Hinweise auf Ansprechpartner, die Unterstützung bieten
- Zusammenstellung eines Informations- und Materialienpaketes für Schulleiter(innen)
an Volksschulen:
Ziele:
- Sensibilisierung für den Prozesscharakter der Entscheidung
- Sensibilisierung für die klare Rollenteilung Eltern-Lehrer(in)-Schulleiter(in)
- Informations- und Materialienpaket bezüglich Bildungsmöglichkeiten ab der fünften
Schulstufe
- Organisatorische Hinweise zur Unterstützung der notwendigen Informations- und
Entscheidungsprozesse
- Hinweise auf Ansprechpartner, die Unterstützung bieten
- Kurzseminare für Schulleiter(innen) an Volksschulen
:
Inhalte:
Prozessorientierung
Differenzierung Entscheidung-Beratung
Rollenklärung: Leiter Lehrer Eltern
Zeitplanung
Einschulung der Lehrer bezügl. Handreichung, Beobachtungsbögen, Gesprächsleitfaden
Methodische Hinweise zum Informations- und Materialienpaket für Schulleiter(innen)
Praktische Hinweise: Beantwortung von häufig gestellten Fragen zum Thema Übergang,
Berechtigungen, Anforderungen
- Information der Schulaufsichtsbeamten
:
Inhalte:
- Umfassende Information der BSI über die geplanten Maßnahmen und die Materialien
- Organisation der Kurzseminare für die Leiter
- Erstellung von regionalen Zusatzinformationen zum Informations- und Materialienpaket
- Sonstige unterstützende Maßnahmen
Weitere Umsetzungsschritte
(Beitrag der Schulpsychologie-Bildungsberatung)
- Erstellung der Unterlagen à
Einsetzung einer
Folgearbeitsgruppe unter Einbeziehung von Pädagogen
Information bzw. Abstimmung innerhalb der Schulpsychologie-Bildungsberatung
Versendung der Informationen, Materialien und Vorschläge der Umsetzung an die
Landesschulräte
Information der BSI (gemeinsam mit LSI)
Gestaltung der Kurzseminare (gemeinsam mit BSI)
Laufende Unterstützung von Lehrern/Eltern im Einzelfall
Inhalte der Beobachtungsbögen / Checklisten für Lehrer bzw. Eltern
Die Beobachtungsbögen dienen der Reflexion wichtiger Wirkungsfaktoren
(Charakteristika, Eigenschaften) im Sinne der Ergebnisse der ersten Arbeitsgruppensitzung.
Es sollen daher folgende Bereiche angesprochen werden:
Beobachtungsbogen / Checkliste für Eltern:
| Bereich |
erfasst werden soll |
| Eigenschaften des Schülers |
- Leistungsmotivation
- Selbststeuerung
- Arbeitshaltung
|
| Schüler-Eltern-Beziehung |
- Elterliche Ansprüche an das Kind
- Erziehungsstil
- Sozialer Status der Familie
|
| Schüler-Lehrer-Beziehung |
- Anpassungsfähigkeit
- Abhängigkeit/Unabhängigkeit von bestimmten didaktischen Konzepten
|
| Schüler-Mitschüler-Beziehung |
- Soziale Position, Eingliederungsfähigkeit, soziale Flexibilität (Frustrationstoleranz
gegenüber wechselnden sozialen Positionen)
|
| Umgangs des Schülers mit verschiedenen Lerninhalten, Lehr-
und Lernmethoden sowie Lernbedingungen |
- Umfang und Komplexität des Lernstoffes
- Zeitfaktor (Lerntempo)
- Gruppengröße
|
Beobachtungsbogen / Checkliste für Lehrer(innen):
| Bereich |
erfasst werden soll |
| Eigenschaften des Schülers |
- Aspekte der Begabungsstruktur
- Aspekte der Leistungsmotivation
- Arbeitshaltung
- Leistungsentwicklung
|
| Schüler-Lehrer-Beziehung |
- Anpassungsfähigkeit
- Abhängigkeit/Unabhängigkeit von bestimmten didaktischen Konzepten
|
| Schüler-Mitschüler-Beziehung |
- Soziale Position, Eingliederungsfähigkeit, soziale Flexibilität (Frustrationstoleranz
gegenüber wechselnden sozialen Positionen)
|
| Umgangs des Schülers mit verschiedenen Lerninhalten, Lehr-
und Lernmethoden sowie Lernbedingungen |
- Umfang und Komplexität des Lernstoffes
- Zeitfaktor (Lerntempo)
- Gruppengröße
|
Standardisierte Testverfahren
In der Arbeitsgruppe wurde auch besprochen, inwieweit auch standardisierte
Testverfahren für die Hand des Lehrers herangezogen werden könnten. Bei diesem
Tagesordnungspunkt waren auch Univ. Prof. Dr. Gittler und sein Mitarbeiter Dr. Arendasy
vom Psychologischen Institut der Univ. Wien als Experten anwesend.
Folgende Ergebnisse wurden zu dieser Frage erzielt, wobei von einer wissenschaftlichen
Betrachtungsweise ausgegangen wurde:
- Im Hinblick auf die Prognose zukünftiger Bewährung in weiterführenden Schulen wären
Tests, die nur Statusfeststellungen liefern, wenig hilfreich.
- Sinnvoll wären Verfahren, die darauf abzielen, Potentiale zu erfassen, z.B. das
Potential, neue Anforderungen zu bewältigen.
- Die sogenannten "Lerntests" verfolgen ein derartiges Konzept: "Lerntests
stellen eine Variante des Intelligenztests dar, bei der bewußt Lernmöglichkeiten in den
Test eingebaut werden. Die ersten Lerntests sind in den siebziger Jahren konstruiert
worden. Der Lerntest bezieht wichtige Lernerfahrungen in den Testvorgang mit ein. Dazu
wird zunächst eine Instruktion gegeben und ein erster Test, ein Vortest, durchgeführt;
nach diesem Vortest erfolgt eine sog. Pädagogisierungs- oder Lernphase, die
standardisiert ist. Nach dieser Phase folgt ein weiterer Test, der ermittelt, in welchem
Umfang Lernen stattgefunden hat, und der somit Rückschlüsse auf die individuelle
Lernfähigkeit zuläßt." (zit. nach B. Feger 1999: http://www.dghk.de/laby61/tests2.html).
Wissenschaftlicher Proponent dieser Konzepte im deutschsprachigen Raum ist Univ. Prof. Dr.
Jürgen Guthke, Univ. Leipzig (http://www.uni-leipzig.de/~diffdiag/mitarb/guthke.htm).
- Allerdings erfordert die Konstruktion und insbesondere die Validierung socher Tests
einen hohen zeitlichen Aufwand: Um auf Basis der Ergebnisse tatsächlich prognostische
Aussagen machen zu können ist eine mehrjährige Beobachtungs- und Entwicklungsphase
notwendig.
- Die Frage ist auch , ob von einer allgemeinen Lernfähigkeit ausgegangen werden kann,
oder ob nicht fachbezogene "Lernfähigkeiten" (z.B. Mathematik, Deutsch,
Fremdsprachen, evtl. auch Wissensaufnahme in Realien) untersucht werden müssten.
- Auch bei sorgfältiger Konstruktion solcher Testverfahren können diese nicht als
"Ausleseinstrument" eingesetzt werden. Sie können jeweils nur eine bestimmte
Dimension messen und nicht die Ganzheit der Entscheidungsvoraussetzungen erfassen.
- Es könnten aber Hinweise auf Defizite gewonnen werden. Dazu müsste von
Minimalanforderungen ausgegangen bzw. eine "untere Schranke" definiert werden.
- Als Beratungsinstrument könnten derartige Verfahren in manchen Fällen wertvolle
Zusatzinformationen liefern. Die Interpretation der Ergebnisse müsste aber von einem
Fachmann (entsprechend ausgebildetem Psychologen) durchgeführt werden. Für die Hand des
Lehrers sind demnach solche Verfahren nach derzeitigem Stand bzw. derzeitiger
Einschätzung nicht geeignet.
- Lehrer(innen) sollten als Pädagog(inn)en pädagogische Methoden bzw. Verfahren mit
pädagogischen Inhalten verwenden: Auf österreichische Verhältnisse abgestimmte
Schulleistungstests können Zusatzinformationen über den derzeitigen Kenntnisstand der
Schüler im bundesweiten Vergleich liefern. Was in erster Linie aber eine Rückmeldung
über den eigenen Unterrichtserfolg darstellt und keine Aussagen über Potentiale
zulässt.
Zur besseren Organisation und Optimierung des Informationsflusses wurde für das
Projekt ein internetbasiertes Projektmanagement angelegt: Unter der Adresse http://epmp.bmbwk.gv.at haben Projektmitarbeiter sowie
Auftraggeber laufenden Zugriff auf alle wichtigen Dokumente und Ergebnisse.
Bericht erstellt von:
Dr. Gerhard Krötzl, BMBWK, Abt. V/4