MinRat Mag.DDr.Franz SEDLAK
Leiter der Abt.V/4 Schulpsychologie-Bildungsberatung
im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
A-1014 Wien Freyung 1 Tel +43-1-53120-2580 Fax +43-1-53120812580
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SELBSTVERLETZENDES VERHALTEN- was man drüber wissen sollte!
- Selbstverletzendes Verhalten (abgekürzt SVV) kann alles Mögliche sein: Schneiden,
Brennen, sich selbst Schlagen, Wundheilung verhindern u.v.a.m.
- Die Bandbreite reicht von Eingriffen in den Körper bei manchen Schönheitsoperationen,
von Hautverletzungen durch Tätowierung und Piercing bis hin zu absichtlich herbei
geführten Stoffwechselentgleisungen (wie dies auch bei Magersucht gegeben ist) oder gar
bis zum Suizid, der Extremform des SVVs. Manchmal werden auch Selbstmanipulationen
durchgeführt, um durch künstlich herbei geführte krankheitswertige Störungen
ärztliche Zuwendung zu erhalten.
- Zwar könnte man annehmen, dass SVV Suizid verhindert, weil es einen Ventileffekt hat
und Aggression abbaut. Aber zugleich bahnt das SVV auch den schädigenden Umgang mit sich
selbst und es kann zu Handlungen mit irreversiblen Schäden bis hin zum Tod kommen.
- Überwiegend sind Mädchen und Frauen von SVV betroffen (vielleicht, weil sie die
Aggression weniger nach außen ableiten können). Die Angaben schwanken hier von doppelt
bis neunmal so vielen weiblichen Betroffenen.
- SVV tritt zumeist zwischen der Pubertät und dem frühen Erwachsenenalter auf (also ca
zwischen 16 und 26 Jahren), es kann aber auch zu früherem Auftreten kommen.
- Je schwerer die kindlichen psychischen Erschütterungen und Belastungen waren, je mehr
es zu Angst und aufgestauter Spannung und Wut kam, desto früher und heftiger setzt das
SVV ein.
- Sexueller Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung bilden die Hauptursachen für SVV,
daneben auch Essstörungen.
- Unter 200 Kindern/Jugendlichen haben nach Recherchen etwa 1 bis 2 unter SVV zu leiden.
Die Angaben schwanken (auch wegen der breiten Symptomatik). Allerdings besteht die Gefahr
der sozialen Ansteckung durch Nachahmung (ähnlich wie Werther-Effekt).
- SVV "erfüllt" für Betroffene mehrere Zwecke: Sie erleichtern sich von ihrer
Anspannung, spüren sich selbst, lenken sich ab, gewinnen Aufmerksamkeit und Kontrolle
über sich und andere. Oft läuft das SVV nur "halb-bewusst" ab. Die Betroffenen
wissen, was sie tun, aber stehen wie unter einem Zwang, bzw. zeigen ein suchtähnliches
Verhalten. In schweren Fällen stellt das SVV eine Wiederholung traumatischer Erlebnisse
dar.
- Wichtig für Bezugspersonen, Erzieher/innen, Lehrer/innen ist die undramatische,
beständige Begleitung, die Hilfe zum Abbau von Spannungen und Angst, die Hilfe zum
Erlangen von kompetentem Umgang mit den eigenen Gefühlen, zur Fähigkeit sich zu
schützen u.v.a.m.
- Die Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung kann (Mit-)Betroffenen unentgeltlich
Broschüren zum Thema zur Verfügung stellen wie z.B.
Broschüre:
BEZIEHUNGSTRAUMA UND BEGEGNUNGSRAUM
Broschüre:
GEWALT IN DER SCHULE Informationen und
Materialien
Broschüre:
ERKENNEN-BEURTEILEN-HANDELN
Broschüre:
ICH WILL (NICHT) MEHR! Wege aus seelischen Krisen
Bestellungen mittels e-mail an: schulpsychologie@bmbwk.gv.at