Grundsätzliches zum Berufsorientierungsunterricht

Zahlreiche Untersuchungen und Expertisen, vor allem auch auf internationaler Ebene, zeigen, dass jedes Bildungssystem Unterstützungen im Hinblick auf weitere Bildungswegs- und Berufsentscheidungen bereitstellen sollte. Es ist ein Qualitätsmerkmal einer Bildungseinrichtung, nicht nur Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln, sondern auch Mitverantwortung dafür zu übernehmen, dass jede Schülerin und jeder Schüler in der Lage ist, im Anschluss an die gerade zu absolvierende Ausbildung (oder auch mitten drinnen – wenn ein Wechsel aus verschiedenen Gründen geboten ist), für sie bzw. ihn möglichst optimale Übertrittsentscheidungen in weiterführende bzw. andere Ausbildungsgänge oder in eine Berufstätigkeit zu treffen.

Es gibt drei Säulen, auf denen solche Unterstützungssysteme beruhen:

  1. Programme, die im Rahmen des Unterrichts mit Klassen als Teil des Curriculums durchgeführt werden (=Berufsorientierungsunterricht)
  2. Individuelle Information, Beratung und Begleitung (=Schülerberatung)
  3. Organisation von praktischen Erfahrungen (=Praktika und Exkursionen)

Zwischen diesen Herangehensweisen besteht – auch das wurde schon mehrfach nachgewiesen - ein enger Zusammenhang: Die Inhalte und Aktivitäten des Unterrichts führen zur vermehrten Auseinandersetzung mit persönlichen Entscheidungsfragen und damit individuellem Beratungsbedarf. Dies trifft auch auf Praktika und Exkursionen zu: Es ist oft nicht so leicht, die gewonnenen Erfahrungen und Einsichten hinsichtlich der Entscheidungsfindung persönlich zu bewerten. Auch hier besteht Beratungsbedarf.

Umgekehrt werden im Berufsorientierungsunterricht bereits allgemeine Informationen vermittelt, die im Falle einer individuellen Beratung schon vorausgesetzt werden können.

Das Bundesministerium für Bildung und Frauen hat daher in Zusammenarbeit mit anderen Partnerorganisationen (andere Bundesministerien AMS, Sozialpartner) einen Katalog von verbindlichen Maßnahmen erarbeitet, die im Sinne eines standortbezogenen Konzeptes an jeder Schule umgesetzt werden sollen. Welche Aufgaben hierbei den Schulen zukommen, welche Rollen und Funktionen hierbei an der Schule notwendig, welche Qualifizierungsmaßnahmen seitens der Pädagogischen Hochschulen notwendig sind und welche Aufgaben dabei die Schulaufsicht wird in einem Grundsatzpapier des BMBF dargelegt.

In der Lehrplanverordnung zur verbindlichen Übung "Berufsorientierung" (BGBl. II Nr. 85/2012, Anlage I, S.99 ff im Falle der NMS) wird die Bildungs- und Lehraufgabe folgendermaßen definiert:
"Berufsorientierung findet viele Ansatzpunkte in den anderen Unterrichtsgegenständen, verfolgt jedoch darüber hinausgehende, eigenständige Ziele.Der Unterricht in Berufsorientierung strebt die Entscheidungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler an und soll zwei Hauptkomponenten integrieren: Ichstärke (Selbstkompetenz) und Wissen um die bzw. Auseinandersetzung mit der Berufswelt (Sach- und Methodenkompetenz). Sozialkompetenz gewinnt steigende Bedeutung in der Berufswelt: Sie soll sowohl Gegenstand der Untersuchung als auch der Einübung im Rahmen der Berufsorientierung sein.
Somit soll ein wesentlicher Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler geleistet werden. Die Entwicklung und Stärkung von Hoffnung, Wille, Entscheidungsfähigkeit, Zielstrebigkeit, Tüchtigkeit, Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und Beziehungsfähigkeit soll dabei im Mittelpunkt stehen.
Berufsorientierung bietet auch Gelegenheit, traditionelle Einstellungen und Vorurteile im Hinblick auf Berufs- und Bildungswege zu überprüfen, und zielt darauf ab, den Raum möglicher Berufs- und Bildungsentscheidungen, insbesondere für Schülerinnen, zu erweitern."

Berufsorientierung kann allgemein als "die Vorbereitung der jungen Menschen auf die Arbeits- und Wirtschaftswelt sowie auf die Ausbildungs- und Berufswahl" bezeichnet werden (zitiert nach R. Forstner in "Beratung aktuell", Nr. 2/1998, S.20).

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