Geschlechtsunterschiede bei Gewalt und Mobbing

Es besteht ein Unterschied darin, was Jungen und Mädchen tun, um andere zu quälen und fertig zu machen. Mädchen setzen häufiger indirekte, für andere weniger sichtbare Methoden ein (z.B. soziale Ausgrenzung, Beziehungen zerstören, Gerüchte verbreiten) als direkte, offene Methoden (z.B. hänseln, körperlich angreifen, auslachen, etc.). Bei Jungen ist es umgekehrt: sie setzen häufiger direkte Methoden als indirekte ein.

Übergriffe von Mädchen laufen somit häufiger verdeckt ab und sind von Erwachsenen noch schwieriger zu erkennen als die Übergriffe von Jungen, die meist offen ausgetragen werden. Egal ob Jungen oder Mädchen: für Erwachsene ist es oft schwierig Gewalt- und Mobbingvorfälle zu erkennen. Aus diesem Grund ist es wichtig mit den SchülerInnen zu sprechen und sie danach zu fragen. Sie wissen meistens genau, was in ihrer Klasse passiert. 


Fallbeispiel Anna, Sandra und Susi: Die Mädchen sind 13 Jahre alt und gehen gemeinsam in eine Klasse. Sandra und Susi sind schon gemeinsam in die Volksschule gegangen und waren bis vor kurzem unzertrennliche Freundinnen. Sandra ist in der ganzen Klasse beliebt, Susi dagegen wird von vielen Mädchen abgelehnt. Die anderen Mädchen waren Susi aber immer egal, denn ihr war nur ihre beste Freundin - Sandra - wichtig. Auch Anna hat Susi noch nie ausstehen können. Seit einigen Wochen ist Sandra immer mit der Mädchenclique zusammen, deren Anführerin Anna ist. Wenn Susi dazukommt, beginnen die anderen Mädchen zu tuscheln und beenden dann das Gespräch. Susi spricht immer weniger mit ihrer Freundin Sandra und ist jetzt in den Pausen meistens allein. Sie leidet sehr unter der neuen Situation. 


Susi ist ein Opfer von Gewalt und Mobbing. Sie wird von den anderen Mädchen ausgegrenzt.
Sozialer Ausschluss und Zerstören von Beziehungen sind wenig sichtbare, verdeckte Methoden, um jemanden zu mobben. Die verletzen das Opfer aber genauso wie offene Angriffe.

In dem Fallbeispiel von Andreas und Roland treten wesentliche Mechanismen und Erscheinungsformen auf, die vor allem für Jungen charakteristisch sind.

Roland wird von seinen MitschülerInnen gemobbt. Andreas und seine drei Freunde greifen ihn über einen längeren Zeitraum hinweg direkt an, indem sie ihn körperlich und verbal attackieren. Es besteht auch ein Machtungleichgewicht, weil der in der Klasse beliebte Andreas die Unterstützung seiner Freunde hat. Außerdem wird Andreas auch von seinen anderen MitschülerInnen in seinem Verhalten Roland gegenüber positiv bestätigt, weil niemand eingreift. Auch ein Erwachsener (Sportlehrer) greift nicht ein, obwohl er eine Vorbildfunktion für die SchülerInnen hat. Somit sind auch indirekt an Gewalt und am Mobbing beteiligt.

 

 

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