Kommentierte Übersicht über mögliche Testverfahren
Die im Folgenden beschriebenen Verfahren stellen eine Auswahl von Schulleistungstests dar, welche zur Diagnostik der Rechenschwäche herangezogen werden können. Die hier angeführten Tests entsprechen grundsätzlich wissenschaftlichen Gütekriterien. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die korrekte Anwendung und Interpretation der Tests erfordert umfassende diagnostische Kompetenzen und darf deshalb nur durch geschulte Expertinnen und Experten erfolgen.
Kaufmann, Nürk, Graf, Krinzinger, Delazer, Willmes. 2009. Huber Verlag, Bern
Dieser Individualtest für Kinder zwischen 4 und 8 Jahren basiert auf kognitiv-neuropsychologischen Theorien der numerischen und rechnerischen Entwicklung und dient der Früherkennung numerischer Stärken und Schwächen. Eine Besonderheit besteht in der multikomponentiellen Herangehensweise, welche anhand von insgesamt 28 Subtests die Erstellung eines differenzierten Leistungsprofils erlaubt, das als Grundlage für die Interventionsplanung dienen kann. Die Durchführungszeit liegt im Durchschnitt bei 60 Minuten, kann jedoch abhängig von der jeweiligen Klassenstufe variieren.
Van Luit, Van de Rijt, Hasemann. 2001. Hogrefe-Verlag GMBH & CO. KG, Göttingen
Dieses Verfahren ermöglicht es, das aktuelle Niveau der Zahlbegriffsentwicklung eines Kindes festzustellen. Es handelt sich um ein Individualverfahren für Kinder zwischen 5,0 und 7,6 Jahren, das sowohl im Kindergarten und in der Volksschule sowie in der Sonderschule eingesetzt werden kann. Die maximale Bearbeitungszeit beträgt 30 Minuten.
Krajewski, Küspert, Schneider. 2002. Beltz Test GmbH, Göttingen
Dieser Test wurde entwickelt, um die mathematischen Kompetenzen bei Grundschülern am Ende des ersten und Anfang des zweiten Schuljahres zu überprüfen. Dieser Test kann als Einzel- oder Gruppentest durchgeführt werden. Die Bearbeitung der insgesamt 36 Aufgaben beansprucht maximal 45 Minuten.
Anmerkung: Dies ist ein deutscher Schulleistungstest, welcher sich an den Lehrplänen der deutschen Bundesländer orientiert, die sich allerdings von den österreichischen Lehrplänen nicht wesentlich unterscheiden. Diese Mathematiktests gibt es auch für die 2., 3. und 4. Klasse (DEMAT 2+ / DEMAT 3+ / DEMAT 4+) sowie für die 6. Und 9. Schulstufe (DEMAT 6+ / DEMAT 9.
Lenart, Holzer, Schaupp. 2007/08/10/14 Huber Verlag, Bern)
Die Eggenberger Rechentests beinhalten Aufgabenstellungen, welche die kognitiven mathematischen Grundfähigkeiten, Ordnungsstrukturen sowie Rechenfertigkeiten überprüfen. Die Eggenberger Rechentests können als Einzel- oder Gruppentests verwendet werden und eignen sich als Klassenscreening zur Differenzierung im unteren Leistungsbereich. Die maximale Arbeitszeit variiert zwischen den einzelnen Tests. Der ERT 3+ sowie der ERT 4+ bestehen jeweils aus 3 Teilen und sollten nicht an einem Tag durchgeführt werden.
Haffner, Baro, Parzer, Resch, Langner. 2005. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen
Beim Heidelberger Rechentest handelt es sich weniger um einen Schulleistungstest als vielmehr um einen Test zur Prüfung basaler mathematik-relevanter Kompetenzen. Es werden dabei Rechenleistungen überprüft, die unabhängig von den spezifischen Lehrplänen in den unterschiedlichen Sprachen und Ländern sind. Der Test beinhaltet sowohl die Grundrechenarten als auch räumlich-visuelle und numerisch-logische Aufgaben. Der Test ist zu jedem Zeitpunkt ab Ende der 1. Klasse bis zum Ende der Volksschulzeit durchführbar. Das Verfahren ist für Gruppen- und Einzeltestung geeignet und kann je nach Anwendung zwischen 45 und 60 Minuten dauern.
Gerlach, Fritz, Ricken, Schmidt (2007) Cornelsen-Verlag, Berlin
Die diagnostischen Aufgaben sind als Screeningaufgaben konstruiert und geeignet, Kinder zu erkennen, die vom Schulbeginn bis zum Ende der zweiten Klasse tragende mathematische Konzepte nicht entwickelt haben und deshalb mathematische Anforderungen nicht erfolgreich bewältigen. Die Aufgaben können mit der ganzen Klasse und als Einzeltest durchgeführt werden. Für den Gruppentest erfolgt die Auswertung über den Vergleich mit Normwerten. Für den Einzeltest steht ein System von Strategien zur Verfügung, so dass aus den Vorgehensweisen der Kinder in Ergänzung zu den Normvergleichen auf die erreichten Niveaus geschlossen werden kann. Aus den Ergebnissen wird abgeleitet, mit welchem Förderbaustein sich das Kind als nächstes auseinandersetzen soll. Aus der Diagnose können entsprechende Trainingsinhalte abgeleitet werden. Sowohl Testaufgaben als auch Trainingsinhalte basieren auf einer Theorie über die hierarchische Entwicklung mathematischer Konzepte und Kompetenzen in der Schuleingangsphase.
Moser Opitz, Reusser, Moeri Müller, Anliker, Wittich, Freesemann, Ramseier. 2010. Huber Verlag, Bern
Der Basis-Math 4-8 überprüft, inwieweit der mathematische Basisstoff beherrscht wird. Der Test kann ab dem letzten Quartal der 4. Schulstufe bis zum Ende der 8. Schulstufe eingesetzt werden. Der Individualtest differenziert im unteren Leistungsbereich und ist daher für Kinder und Jugendliche mit schwachen Mathematikleistungen geeignet. Die 48 Aufgaben sind 3 Anforderungsniveaus zugeordnet. Neben dem Beherrschen der Grundoperationen werden die Rechenwege, das dezimale Verständnis, die Zählkompetenz, sowie das Operationsverständnis und die Mathematisierungsfähigkeit erfasst.